
Impuls

Impuls
Im Mitarbeitergespräch merkt Ihr Gegenüber schnell, ob es um Klärung geht oder ob Sie Ihrem Ärger Luft machen wollen. Schwierig wird es oft schon vor dem Termin: Das Thema liegt zu lange, oder die passende Formulierung fehlt. Eine gute Vorbereitung nimmt die Spannung nicht vollständig heraus. Sie verhindert aber, dass aus einem wichtigen Gespräch ein Vorwurf wird.
Angelika Steiger-Cöslin · 21. Oktober 2026 · 2 Minuten Lesezeit
Klären Sie zuerst den Anlass. Geht es um ein konkretes Verhalten, ein Ergebnis oder eine wiederkehrende Situation? Was haben Sie selbst beobachtet – und was haben Sie nur gehört oder vermutet? Je sauberer Sie das trennen, desto fairer können Sie das Thema ansprechen.
Formulieren Sie außerdem Ihr Ziel. Soll eine Vereinbarung für die Zusammenarbeit entstehen? Möchten Sie eine Erwartung deutlich machen? Oder müssen Sie zunächst verstehen, warum ein Ablauf nicht funktioniert? Ein Gespräch ohne klares Ziel wird schnell zu einer Sammlung alter Ärgernisse.
Beginnen Sie ruhig und konkret. Zum Beispiel: „Ich möchte mit Ihnen über die Übergabe am Montag sprechen. Die Unterlagen waren noch nicht vollständig, als das Team sie brauchte. Dadurch konnten zwei Aufgaben nicht wie geplant weitergehen. Ich möchte verstehen, wie es dazu kam und mit Ihnen klären, wie wir die Übergabe künftig verlässlich hinbekommen.“
Der Einstieg beschreibt die Situation, benennt die Auswirkung und öffnet zugleich Raum für die Perspektive des Mitarbeiters. Vermeiden Sie Wörter wie „immer“ und „nie“. Sie machen aus einem überprüfbaren Anlass schnell eine Grundsatzdebatte.
Geben Sie Ihrem Gegenüber Zeit, die eigene Sicht zu schildern. Vielleicht gibt es Informationen, die Ihnen fehlen. Vielleicht sieht die Person die Situation anders. Zuhören bedeutet nicht, jede Erklärung zu übernehmen. Es bedeutet, die Lage vollständig zu verstehen, bevor Sie eine Konsequenz oder Lösung festlegen.
Danach können Sie Ihre Erwartung klar formulieren: Was soll künftig geschehen? Welche Unterstützung braucht es dafür? Wer übernimmt welchen Schritt und bis wann? Halten Sie die Vereinbarung kurz fest und vereinbaren Sie einen Zeitpunkt, zu dem Sie prüfen, ob sie funktioniert.
Führungskräfte sind nicht neutral, nur weil sie die Gesprächseinladung verschicken. Ärger, Enttäuschung oder Sorge um die Beziehung können die eigene Wirkung verändern. Überlegen Sie vorher, was Sie auf jeden Fall sagen müssen und welche Reaktion Sie nicht kontrollieren können. Das hilft, auch dann bei der Sache zu bleiben, wenn das Gespräch anders verläuft als erhofft.
Ein Executive Sparring kann nützlich sein, wenn viel auf dem Spiel steht oder Sie die Situation nicht allein sortieren möchten. Ich unterstütze Führungskräfte und Unternehmer dabei, schwierige Mitarbeitergespräche vorzubereiten und die eigene Botschaft auf den Punkt zu bringen.
Eine Frage, die oft weiterhilft:
„Was müsste sich aus Ihrer Sicht ändern, damit diese Zusammenarbeit verlässlich funktioniert?“ Sie öffnet das Gespräch, ohne die Verantwortung für die Lösung vollständig abzugeben.
Kommen Sie mit Anlass, Ziel und Ihrem größten Fragezeichen ins Kennenlerngespräch. Daraus lässt sich das weitere Vorgehen entwickeln.

Über die Autorin
Angelika Steiger-Cöslin
Angelika Steiger-Cöslin war rund 25 Jahre im Top-Management tätig, unter anderem im European Executive Committee eines Fortune-500-Unternehmens. Seit zwölf Jahren begleitet sie Geschäftsführer und Menschen in Verantwortung als vertrauliche Sparringspartnerin.
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